Torkelabend - eine Tradition unseres Vereins

Wie sich doch Traditionen immer ähneln und doch nicht immer gleich sind. Der vertraute Ablauf des Abends macht das Ganze zu einem lockeren Anlass. Man trifft sich am Besammlungsort, man fährt mit einer Spezialfahrt der Stadtbusbetriebe Chur ins Kampfgelände. Dort wird man irgendwo hinter der Front abgesetzt. In geöffneter Schützenkolonne schleicht man sich im Dunkeln an das Objekt der Begierde heran - in unserem Fall der Torkel der Familie Marugg in Fläsch.

Mit trockenen Lefzen, dürstendem Durste und glänzenden Augen erobert man den Vorhof der Weinburg und greift sofort zu den Waffen, in unserem Fall ein Glas herrlich wohlriechenden Weisswein aus Maruggs Weinkeller. Der Angriff ist gelungen, der Sieg ist uns sicher, die Kämpfer erlaben sich am Weisswein, während der Feind - Herr Marugg - sich als liebenswürdiger Gastgeber entpuppt und uns Willkommen heisst. Bei soviel verführerischer Taktik schliessen wir, total entwaffnet, sofort Frieden mit ihm. Ach, wäre doch auf der ganzen Welt das Friedenschliessen so leicht wie hier.

Hein Tharand spendiert zu Ehren seines runden Geburtstags den Friedenstrunk. Wir danken dir, lieber Hein, und stimmen selbstverständlich das Lied "Ergreift das Glas" an. War es letztes Jahr nicht auch ähnlich? Nein, niemand hatte einen runden Geburtstag und niemand spendierte den Apéro, oder doch? War es die Vereinskasse? Oder spendierten wir uns selber den Apéro? Traditionen ähneln sich, aber sind eben nicht immer gleich.

Was folgte nach dem Friedenstrunk? Eine feine Gerstensuppe, rassiger Bergkäse mit schmackhaften Salsizen zu Hauf und selbstverständlich süffigen Wein aus dem Keller der Familie Marugg. Anschliessend Gesang, Umtrunk, Geschichten, Umtrunk Gespräche, Umtrunkt, Witze, Umtrunk, usw....

Um 23:30 Uhr wurde zum Rückzug geblasen. Erhobenen Hauptes im Wissen auf unseren Sieg, marschierten wir mehr oder weniger ungeordnet zum Verladeort, in der Hoffnung dort ein Fahrzeug der Busbetriebe zu treffen. Aber - ohalätz! - nirgends ein Bus oder ein ähnliches Fahrzeug. So mussten wir uns die Heimfahrt zuerst mit der Suche nach dem Bus verdienen. Zum Glück ist Fläsch nicht annähernd so gross wie New York. Sonst wären wir noch heute in Manhatten bei der Suche nach einem "dr Bus vo Chur" ...

Mit einer halben Stunde Verspätung legten wir uns müde auf unsere Nachtlager. Gute Nacht!

Bilder Christian Camathias